Wie lasse ich mich nieder?

Anästhesisten bei der ArbeitFür das Fach Anästhesie gibt es fast im ganzen Bundesgebiet Zulassungssperren. Innerhalb der KVNo (Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein) gibt es in allen Planbereichen Zulassungssperren, so dass für jemanden, der sich niederlassen möchte nur die Übernahme eines Praxissitzes in Frage kommt.

Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass jeder Vertragsarztsitz in bis zu 4 Teile geteilt werden kann. Jedem Sitz wird dann der jeweilig zugehörige Anteil zugeordnet.
Angenommen ein Vertragsarztsitz wird in 3 Drittel geteilt, so ist das zugehörige RLV (Regelleistungsvolumen) eben auch nur ein Drittel.
Das RLV stellt für viele Fachgebiete eine wesentliche Einnahmequelle dar, für die Anästhesie ist dieses jedoch eher von untergeordneter Bedeutung, da die meisten Anästhesieleistungen extrabudgetär bezahlt werden.

Im Folgenden eine Auflistung aller verschiedenen Praxistypen und Rechtsformen, die für den Einstieg/die Übernahme eines Vertragsarztsitzes zur Verfügung stehen:

 

  • Einzelpraxis (immer noch die häufigste Form bei Anästhesisten)
    • Dazu gehört auch die Praxisgemeinschaft, bei der sich mehrere Anästhesisten zwar zusammenschließen,
      jedoch jeder eigentlich eine Einzelpraxis führt.
  • Gemeinschaftspraxis in der Rechtsform der
    • Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR
    • Partnerschaftsgesellschaft (beschränkt die Haftung aus medizinischen Handlungen auf den Einzelnen)
  • Medizinische Versorgungszentrum (MVZ)
    • Als Personengesellschaft (GbR oder Partnerschaftsgesellschaft)
    • Als Kapitalgesellschaft: GbR oder Genossenschaft (es gibt Altfälle in der Rechtsform der Aktiengesellschaft,
      jedoch ist eine Gründung in dieser Rechtsform heute nicht mehr möglich)

Für diese verschiedenen Formen der Niederlassung ist die Übernahme eines Vertragsarztsitzes möglich, jedoch auch die Anstellung.

So kann in einer Einzelpraxis z.B. der Sitz geteilt werden und auf den halben Praxissitz kann ein Anästhesist angestellt werden. Dies vermindert sicher anfänglich das finanzielle Risiko, mindert aber natürlich auch die Einkommenschancen.

Nach entsprechender Einigung mit dem zukünftigen Praxispartner bzw. mit dem übergabewilligen und somit ausscheidenden Praxisinhaber, kann man die Übergabe beim Zulassungsausschuss der KVNo beantragen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird diesem Antrag dann stattgegeben.

Der Zulassungsausschuss der KVNo ist ein unabhängiges Gremium, das zur Hälfte von den Kassen und zur Hälfte seitens der KVNo besetzt ist.

Voraussetzung für die Bewerbung auf einen Vertragsarztsitzes:

  • Eintragung ins Arztregister
  • Eintragung in die Warteliste
  • Bewerbung um einen ausgeschriebenen Praxissitz

Die Praxisübernahme kann sicher auch ohne anwaltliche Hilfe gestaltet werden, insbesondere wenn vertragliche Details von den Beteiligten schriftlich fixiert sind. Auf der anderen Seite haben Rechtsanwälte für Medizinrecht zumeist gute Kontakte zur KVNo und somit zum Zulassungsausschuss, so dass die Wege problemlos geebnet werden können.

Auf jeden Fall ist das Kontaktieren eines Steuerberaters für alle Beteiligten anzuraten. Hier nur einige der typischen Probleme:

  • Bei der Übernahme eines ganzen Vertragsarztsitzes aus einer Einzelpraxis oder als Anteil an einer Gemeinschaftspraxis kann der Kaufpreis über einen
    Zeitraum von z.B. 5 oder 6 Jahren abgeschrieben werden. Letztlich reduziert dies die Nettokaufpreissumme erheblich
  • Bei Übernahme eines Gesellschafteranteils einer GmbH (aus einem MVZ) ist der Gesellschafteranteil nicht abschreibbar.
  • Für den Verkaufenden aus einer GmbH stellt sich die Frage, ob er innerhalb eines Zeitraums von 7 Jahren seit Gründung seinen GmbH Anteil überhaupt verkaufen sollte, da gemäß Umwandlungssteuergesetz die stillen Reserven bei Verkauf innerhalb von 7 Jahren rückwirkend ohne Steuervorteil aufgedeckt werden müssen

Trotz einiger Hürden kommt es doch in den meisten Fällen zur geplanten Praxisübernahme oder dem Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis/MVZ. Das MVZ hat hier den Vorteil, dass das Nachbesetzungsrecht faktisch in den Händen des MVZs liegt. Als angestellter Arzt eines MVZs hat man naturgemäß die Möglichkeit einen Gesellschafteranteil zu erwerben.

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